Introvertierte im Berufsleben

Fühlst du dich nach der Arbeit ausgelaugt? Wunderst du dich, dass andere nach der Arbeit noch Hobbies nachgehen können während du nach der Arbeit maximal noch dazu in der Lage bist dich von Unterhaltungsmedien berieseln zu lassen?

Dann bist du von deiner Arbeit oder deiner Arbeitsumgebung eventuell überstimuliert. Unter „überstimuliert“ versteht man in der Fachsprache, dass zu viele Eindrücke (Sehen, Hören, Riechen, etc.) auf einmal auf einen Menschen einprasseln, so dass dieser davon überfordert und abgelenkt ist. Der Psychologe Hans Eysenck fand heraus, dass Extrovertierte mehr Stimulation – also mehr Sinnesreize – bevorzugen als Introvertierte. So mögen Extrovertierte eher die Bürotür offenlassen und beim Arbeiten Radio hören, wohingegen Introvertierte sich lieber in ihrem Büro verschanzen, um konzentriert und in Ruhe arbeiten zu können. Es gibt eine Reihe von Studien, die belegen, dass Introvertierte sensibler als Extrovertierte auf verschiedene Arten von Reizen reagieren: von Kaffee über einen lauten Knall bis zum Stimmengewirr bei Veranstaltungen mit vielen Menschen. Auch zeigen einige Studien, dass Introvertierte und Extravertierte verschiedene Grade der Stimulation brauchen um in Höchstform zu kommen. In einem Experiment des Psychologen Russell G. Geen aus dem Jahr 1984 sollten Introvertierte und Extrovertierte eine schwierige Aufgabe lösen während sie Kopfhörer trugen, aus denen zufällige Geräusche kamen. Sie durften die Lautstärke so einstellen, dass sie für sie „genau richtig“ war. „Genau richtig“ waren für die Extravertierten durchschnittlich 72 Dezibel und für die Introvertierten 55 Dezibel. Die beiden Gruppen schnitten im Übrigen gleich gut ab. In einem Folgeexperiment war die Aufgabe gleich, jedoch beschallte man Introvertierten mit 72 (wie Extrovertierte es lieben) Dezibel lauten Hintergrundgeräuschen und die Extravertierten mit introvertierten 55 Dezibel (wie Introvertierte es lieben) lauten Hintergrundgeräuschen. Beide Gruppen brauchten unter diesen Lernbedingungen durchschnittlich länger um die Übungen zu lösen. Diese Studien zeigen, dass man effektives Arbeit durch das richtige Maß an Stimulation – und angepasst an den Persönlichkeitstypen – steigern kann.

Leider nehmen die meisten Arbeitsplätze hierauf keine Rücksicht. Vor allem in jungen Start-up-Unternehmen sitzen oft sehr viele Menschen in Großraumbüros zusammengepfercht, man wird dazu angehalten die Pausen und auch das Feierabendbier gemeinsam zu „genießen“. Gruppen-Brainstorm und Multitasking sind DIE METHODEN eines modernen Unternehmens. Wissenschaftliche Studien belegen allerdings, dass dies Methoden nicht nur Introvertierte und sozial-ängstliche in Panik versetzen können, sondern, dass sie gar nicht mal so effektiv sind wie gedacht:

Großraumbüros:

Studien haben gezeigt, dass konzeptionelle oder kreative Jobs ein Maximum an Privatsphäre, persönlichen Raum, Kontrolle über physische Umgebung und Störungsfreiheit erfordern. Großraumbüros dagegen mindern die Produktivität, beeinträchtigen das Gedächtnis und sind mit hoher Mitarbeiterfluktuation verbunden.

Multitasking:

Man könnte meinen Großraumbüros erfordern ein hohes Maß an Multitasking-Fähigkeit, da man ständig unterbrochen wird, aber dennoch seine Aufgaben erledigen muss. Wissenschaftler haben inzwischen herausgefunden, dass das Gehirn unfähig ist, zwei Dingen gleichzeitig Aufmerksamkeit zu schenken. Was wie die gleichzeitige Ausführung mehrerer Aufgaben aussieht, ist in Wirklichkeit ein Hin- und Herschalten zwischen ihnen, was die Produktivität senkt und die Fehlerquote um bis zu 50 Prozent erhöht.

Brainstorming:

Studien zum Thema Brainstorm zeigen, dass die Leistung mit steigender Gruppengröße abnimmt: Zum Beispiel bringen Brainstorm-Gruppen von sechs Teilnehmern weniger und schlechtere Ideen hervor als Vierergruppen. Eine Ausnahme stellt das Online-Brainstorming dar. Hier steigt die Leistung sogar mit der Gruppengröße an. Psychologische Gründe für das Versagen von Brainstorming in größeren Gruppen sind:

·  soziale Faulheit (einer macht die Arbeit, der Rest lehnt sich entspannt zurück);

·  eine sogenannte Produktionsblockade entsteht, da nur einer sprechen kann – alle anderen Teilnehmer müssen ihre Ideen zurückhalten bis sie an der Reihe sind. In diesem Zeitintervall zwischen Aufblitzen einer Idee und der Gelegenheit zu sprechen können viele gute Gedanken verloren gehen;

·  die Angst der Teilnehmer von anderen negativ bewertet zu werden;

·  Konformitätsdruck: Gruppenteilnehmer neigen dazu, die Antworten von anderen als richtig zu übernehmen, auch wenn sie anfänglich anderer Meinung sind.

Um als Introvertierter nicht überstimuliert zu sein (und als Extrovertierter nicht unterstimuliert) ist es daher wichtig, sich eine Arbeitsumgebung zu suchen, in dem das Stimulationsbedürfnis berücksichtigt wird. So sollte ein Introvertierter lieber nicht in einem Großraumbüro arbeiten und ein Extrovertierter nicht den ganzen Tag in einem stillen Kämmerlein sitzen.

Hast du aber als eher Introvertierter deinen Traumjob gefunden, in dem du jedoch regelmäßig überstimuliert wirst, so ist es wichtig, für dich Momente der Regeneration zu schaffen. Der Psychologe Brian Little empfiehlt in solchen Situationen ein „Free-Trait-Abkommen“ abzuschließen. Mit diesem Vertrag erklären wir uns bereit für das was wir lieben – zum Beispiel unsere Arbeit – zeitweise gegen unser Naturell zu handeln, im Austausch dafür, dass wir die übrige Zeit wir selbst sein dürfen. Zum Beispiel kannst du einen Vortrag halten oder auf eine Netzwerk-Veranstaltung gehen – Situationen, die Introvertierte meist viel stärker auslaugen als Extrovertierte – wenn du dir den Tag darauf einen Wellness—Tag gönnst bei dem du von zuhause aus arbeitest und einfach mal das Alleinsein genießt.

Bei der Suche nach dem zu deinem Temperament passenden Job zu aber auch bei der Ausarbeitung deines Free-Trait-Abkommens bin ich dir gerne behilflich. Schreibe mir einfach über das Kontaktformular und wir finden gemeinsam einen Weg! 

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